Hallo zusammen,
nach einigen Tagen ohne neue Eintraege, bin ich zurueck
Wir sind inzwischen in Hangzhou angekommen und damit nur noch rund 3h Zugfahrt von Shanghai entfernt, das bedeutet gleichzeitig auch, wir sind zurueck in der Zivilisation. Das hat Vorteile, wie das niemand auf den Teppich rotzt oder das es westliche Klos gibt, das hat aber auch Nachteile, hier bekomme ich so direkt keine 576ml Tsingtao Bier mehr fuer 8 Yuan (das sind rund 80 Cent). Aber lieber 18 Yuan fuer gut 300ml Bier zahlen als den Chinesen beim Teppichrotzen zuschauen zu muessen.
Warum ich ein wenig kritisch geworden bin? Es muss an der “Kreuzfahrt” ueber den Yangtse liegen. Wir sind drei Tage mit einem chinesischen Schiff von Chongqing (besser Chongstink, so ziemlich die versiffteste Stadt in der wir waren) nach Yichang ueber den Yangste. Wobei mit dem Boot ging es nur bis Maoping, das liegt etwa 70km vor Yichang, von dort ging es mit dem Bus weiter. Ich versuche aber mal dort anzufangen wo ich beim letzten Mal aufgehoert habe, das war in Xi’an und wir wollten noch auf die Stadtmauer.
Auf der Stadtmauer in Xi’an waren wir auch und zwar mit dem Tandem
sehr lustig, wobei hauptsaechlich der suedliche Teil der Stadt sehenswert war, der Rest ist eine mehr oder minder normale (chinesische) Grossstadt. Nach der Fahrradtour am Morgen, ging es noch einmal ein bisschen zu Fuss durch die Stadt und dann ueber Nacht mit dem Zug nach Chongqing.
Dort wurden wir abgeholt und zu John gebracht, der die Kreuzfahrt fuer uns organisiert hatte. Der wohnte im 23. Stock eines sehr modernen und gepflegten Hochhauskomplex (zumindest hat es drinnen nicht mehr nach Gulli und Kloake gerochen) direkt am Fluss. Dort haben wir dann die letzten Infos zur Flussfahrt bekommen und auch die noch den weiteren Transport bis zum Huang Shan organisiert. Das waren einmal der Bus von Yichang nach Wuhan, die Uebernachtung dort und dann die anschliessende Busfahrt. Zusammen mit uns sollten noch ein paar andere Langnasen auf das Boot, leider haben die beiden Jungs die sich mit uns die Kabine teilen sollten, den Flieger in Beijing verpasst, somit waren es nur noch die beiden englischen Ladies und wir. Nach einer kurzen Tour durch das total versiffte und stinkende Chongqing, abgesehen von den 3 Blocks des eigentlichen Stadtzentrums, haben wir dann am fruehen Abend auf unserem Kahn eingeschifft. Der erste Eindruck war “alt aber naja, akzeptabel”, das war bevor die Chinesen kamen. Wir hatten eine 4er Kabine fuer uns und mit Haenden, Fuessen, zwei Sprachfuehrern und etwas Geduld haben wir auch so ziemlich alles bekommen, sogar den Schluessel zur Kabine, die war naemlich bis dahin einfach nur offen. Als wir gut 1 Stunde vor Abfahrt immer noch alleine waren, keimte so langsam die Hoffnung auf, das wir die Kabine fuer uns behalten sollten. Das hielt sich bis etwa 45min vor Ablegen, da wurde eine alte Frau von ihrer zustaendigen Reisefuehrerin – jeder hatte sowas an Bord, auch wir, und es galt der Grundsatz gebucht ist gebucht, auch wenn das Boot 3h Verspaetung hat und der Tempel nur noch von roten Neonroehren erleuchtet wird- in die Kabine geschaeucht wurde. Dort blieb sie allerdings genauso lange bis sie die beiden weissen Teufel (uns) auf dem Bett entdeckte, da rannte sie laut schreiend wieder raus und es entbrannte eine laute, fuer uns leider unverstaendliche, Diskussion auf dem Gang. Vermutlich weigerte sich die Vertreterin der “No.1 Culture in Asia” mit Langnasen in einem Zimmer zu weilen. Naja, soll uns nochmal wer Fremdenfeindlichkeit oder sowas unterstellen. Nach etwa 30min hatten sich dann zwei Freiwillige (vermutlich haben Sie einfach nur die kuerzesten Essstaebchen gezogen) gefunden, Vater und Sohn (vermutlich). Der eine schon biblischen Alters, der seine nach Kuhdung duftenden Zigaretten in einem schicken Holzverhueterli versteckte, der andere von amerikanischer Gestalt und mit einem herben Koerperaroma gesegnet. Der Dicke, roch nciht nur komisch, er scharchte auch und zwar so laut, das keiner (sein Vater inklusive) schlafen konnte. Selbst mehrfaches Schlagen, Treten und aehnliches wurde nur mit apnoetischen Einlagen beantwortet. Immerhin konnten wir durch konsequentes Schliessen der Tuere und Abdrehen des Wasserhahns durchsetzen, das die Kabinentuere geschlossen blieb, sowohl wenn jemand drin war als auch sonst und das das Wasser nur dann lief wenn es auch jemand benoetigte. Das Rauchen in der Kabine – zumindest in unserer Gegenwart – hat Ruth durch schnelles und konsequentes Eingreifen, gleich bei der ersten Zigarette unterbunden.
Danke! Kommen wir mal zu den gemeinschaftlichen Einrichtungen des Bootes. Da waeren die Heisswasserboiler, welche man dringend benoetigt um die obligatorischen Instandtnudeln aufzukochen (das Essen vom Smutje war nix, dafuer aber zu teuer). Diese befanden sich im Vorraum der Etagenklos (wir hatten zum Glueck eins auf der Kabine). Ich sage nur soviel, man stelle sich ein Bahnhofsklo vor (z.B. Muenchen Oktoberfest, 2. Wochenende, Samstagabend 2200h), das bekaeme im Vergleich vermutlich nahezu 5 Sterne fuer Komfort und Sauberkeit. Anders ausgedrueckt Chinesen schaffen es nur sehr selten das Loch mit 10cm Durchmesser im Boden aus etwa einem halben Meter Hoehe sauber zu treffen. Sollten Sie treffen hofft man darauf das die Schwerkraft fuer die Verbringung in den Untergrund sorgen wird, treffen sie nicht, kann man ja eh nix mehr daran aendern. Dafuer braucth so ein Schiff eigentlich keine Aschenbecher oder Muelleimer. Der durchschnittliche Chinese, wie er auf diesem Boot vertreten war, raucht rund 1-2 Packungen am Vormittag, die Kippen landen entweder im Fluss oder auf dem (Teppich-)Boden. Feuergefahr besteht dabei keine, denn wenn er nicht raucht, dann wuergt er sich die Bronchien durch den Hals und rotzt mit einer kindlichen Freude auf den gleichen (Teppich-)Boden. Weitere Massnahmen gegen Feuer wurden auch die beiden Rohrbrueche auf unserem Deck ergriffen, die jedoch nur die Nachbarkabinen in Feuchtbiotope verwandelt haben. Weitere Gemeinschaftseinrichtungen, waren unter anderem die “Tables for playing card and looking scenery” oder der Supermarkt, in dem man 100ml Schnaps fuer 5 Yuan bekam (so schmeckte er auch) und natuerlich das Sonnendeck, unsere eigtnliche Heimat waehrend der 3 Tage.
Dock kommen wir zu den schoenen Seiten der Kreuzfahrt, wir konnten oefters mal von Bord um uns Sehenswuerdigkeiten anzuschauen, unter anderem die 3 kleinen Schluchten und ein paar alte Tempel. Die meiste Zeit haben wir sonst sowieso an der frischen Luft, auf dem oben schon erwaehnten Sonnendeck verbracht. Die eigentlichen Attraktionen, die drei Schluchten, waren toll, aber nachdem der Wasserstand aufgrund des Dammes in den letzten Jahren betraechtlich gestiegen ist, fand ich persoenlich sie nicht so gigantisch, wie man immer liest. Auch der Unterschied zu den kleinen Schluchten, in denen wir einen Nachmittag mit einem kleinen Boot verbracht haben, ist nicht mehr sooo gross. Am letzten Tag ging es dann noch zum drei Schluchten Staudamm, der ist schon sehr interessant, leider war es ziemlich neblig und man konnte nicht so viel sehen.
…To be continued…
Da die hier in Hangzhou fuer die Internet-PCs keine Stuehle haben und ich daher im stehen schreiben muss, mache ich mal Pause und erzaehle spaeter weiter. Als naechstes kommt naemlich der spannende Teil mit den halblegalen Busfahrten, die John fuer uns gebucht hat, und den Abenteuern mit dem chinesischen Bussystem im Allgemeinen…
Bevor aber irgendwer jetzt anfaengt die Messer zu wetzen um boese E-Mails zu schreiben, wie ich es wagen kann so ueber die Chinesen herzuziehen, dem sei folgendes gesagt: Was ich hier schreibe beruht auf meinen Erfahrungen, natuerlich sind nicht alle Chinesen so, insbesondere je weiter man im Osten ist umso weniger trifft oben gesagtes zu. Je mehr chinesisch man spricht (meine Kenntnisse sind noch eher rudimentaer) umso einfacher wird es, insbesondere gen Westen. ABER: Ich bleibe dabei, wenn man nicht mehr auf den touristisch ausgetretenen Pfaden wandelt und sich direkt unter Chinesen mischt, muss man davon ausgehen aehnliche Zustaende wie oben beschrieben anzutreffen, denn die meisten der 1,3 Milliarden Chinesen leben halt nicht im Osten…